Killthekitten

Mai 18, 2009

Alles unter 100 000 ist inakzeptabel

Die 50 000 wurden innerhalb von 4 Tagen genommen. Eine eindrucksvolle Demonstration, was man im Web alles bewegen kann. Jetzt allerdings scheint die E-Petition gegen die geplante Änderung des Telemediengesetzes („Kinderporno-Sperren“) zu stagnieren. Warum? Weil die Massenmedien die Petition gehypt haben und es jetzt nicht mehr tun? Leben wir etwa in einer Marketing-Demokratie, in der sich der einzelne nur dann für etwas engagiert, wenn dafür auch kräftig geworben wird? Oder weil die „relevante“ Grenze geknackt wurde und man sich am Ziel wähnt? Oder gar, weil man nach der Reaktion der Minister von der Leyen und von und zu Guttenberg nun glaubt, solche Petitionen werden eh ignoriert?

Ich weiß nicht, weshalb die Zahl der Mitzeichner stagniert. Ich weiß nur, weshalb sie es nicht tun sollte. Deutschland ist eine Verbände-Demokratie, Verbände spielen eine zentrale Rolle in der politischen Willensbindung. Das ist auf der einen Seite eine gute Sache, weil Verbände die Betroffenen repräsentieren und Know-How beisteuern – schließlich wäre es unsinnig ein Landwirtschafts-Gesetz zu entwerfen, ohne das vorher mit dem Bauernverband zu besprechen. Auf der anderen Seite gibt es jedoch Verbände, die durch sehr hohe Mitgliederzahlen (z.B. ADAC), das „Einschleusen“ von Vertretern in politische Ämter und die Ministerien (z.B. die Energie-Wirtschaft) oder einfach enge politische Kontakte (z.B. Innocence in Danger) eine Vormachtstellung im Interessennkonflikt erzeugen. Innocence in Danger haben wir übrigens mit aller Wahrscheinlichkeit auch die geplanten Kinderpornosperren zu verdanken, siehe hier.

Nun, das Problem liegt also in der Regel weniger an der Existenz von Verbänden, respektive Lobbyisten, sondern an der Abwesenheit von deren Gegenspielern. Sollte das neue Telemediengesetz durch den Bundestag kommen, müsste man folglich die Schuld nicht nur bei den Ministern im „Raumschiff Berlin“ oder bei Innocence in Danger suchen, sondern leider auch bei der Unfähigkeit der Internetgemeinde ihre Interessen kollektiv gegen andere Interessensgruppen durchzusetzen. Und damit wären wir wieder bei der Frage, warum die Mitzeichnungen nicht aufhören dürfen: Weil es darum geht ein eindeutiges Zeichen zu setzen.

Mai 3, 2009

Frage

Filed under: Netzwelt,Politik,Zeitgeist — killthekitten @ 20:22

Geht es eigentlich jedem so, wenn man erst seit einigen Wochen auf WordPress bloggt, interessiert die „gerade angesagt“ Kategorien verfolgt, eine ganze Menge rechte Blogs und Blogbeiträge ortet und dadurch ein wenig verunsichert über die politische Haltung breiter Bevölkerungsschichten wird? Und mit „rechts“ meine ich nicht traditionalistisch konservativ alá CSU sondern die Leute, die auch noch mit rechts grüßen.

April 27, 2009

German SPIEGEL Angst

Filed under: Zeitgeist — killthekitten @ 18:41

Dass der Spiegel und seine Online-Schwester dazu neigen, das Weltgeschehen eher ängstlich und pessimistisch zu kommentieren, dürfte weitgehend bekannt sein. Langsam dürfte man aber auch bei Deutschlands führendem Panikmagazin an den Punkt angekommen sein, an dem man eine therapeutische Klinik mit Yoga-Lehrer, Kräuterentspannungstee und Farbheilraum aufsuchen sollte. Warum? Nun, nachdem die neueste Ausgabe des Printmagazins mit diesem schönen Titelbild psychologisch zu motivieren wusste und auch auf den folgenden Seiten das Geschriebene mit inhaltlich wertvollen Bildern von der Wirtschaftskrise von 1929 im großen Stile tapeziert wurde, wollen die Kollegen bei Spiegel Online natürlich auch mitmachen und die Internetleserschaft mit einer täglichen Portion Grauen versorgen.

Wie? Noch nicht vom Untergang überzeugt, weil es immernoch Leute gibt, die sagen „alles halb so wild, wird bald wieder besser“? Na, bei so viel Optimismus kann ein Blick in diesen Artikel nicht schaden, wo nochmal anhand der Historie erklärt und bestätigt wird, dass nun wirklich und ganz definitiv alles für alle viel viel schlimmer werden wird. Soll ja keiner in Unsicherheit schwelgen müssen.

Und für die Ignorantesten der Ignoranten, also jene Menschen, die entweder so viel oder so wenig haben, dass sie die Wirtschaftskrise nicht zu kümmern braucht, ja für die gibt es ja glücklicherweise noch die Schweinegrippe. Wenigstens bei der Angst sollen schließlich alle gleich viel bekommen.

April 22, 2009

Neue Erkenntnisse im Fall Winnenden: Tim K. hatte y-Chromosom!

Filed under: Zeitgeist — killthekitten @ 17:46

Was haben der Amoklauf von Winnenden und die Finanzkrise gemeinsam? Beides ist in der schnelllebigen Medienlandschaft eigentlich schon ein alter Hut, aber dennoch erscheinen immer mal wieder neue Artikel von Menschen, die meinen das dazu noch nicht alles gesagt wurde. Neuestes Exemplar ist der von Alice Schwarzer, die da fragt: „Warum leugnen selbst die Ermittler den Faktor Geschlecht?“ (denn die meisten Opfer des Amoklaufs waren ja weiblich)

Was auf 3 Seiten folgt, ist eine wie immer vorurteilsfreie, gut durchdachte und intellektuell anspruchsvolle Analyse der Ereignisse vom 11. März und der gesellschaftlichen Zusammenhänge, die in einer völlig unvorhersehbaren, bahnbrechenden Konklusion endet:

„Was also macht den Mann noch zum Mann? Die Gewalt.“

Natürlich weiß jeder, der Frau Schwarzers journalistisches Schaffen auch nur sporadisch verfolgt, dass sie für die Erkenntnis „Männer = Vergewaltiger und Gewaltverbrecher (natürlich nur ‚potentiell‘)“ nicht erst Winnenden brauchte, aber welches Ereignis in diesem Jahr soll die arme Frau denn sonst instrumentalisieren?

April 17, 2009

Uncomfortable Truth #1

Filed under: Politik,Zeitgeist — killthekitten @ 21:08

Die Deutschen sind einerseits ein durchaus fleißiges, produktives Volk, andererseits befürworten sie mehrheitlich ein eher leistungsfeindliches politisches System.

April 11, 2009

Spiegel Online und die Systemfrage

Filed under: Politik,Zeitgeist — killthekitten @ 21:14

2009 ist so ein Jahr für Deutschland. Talsohle der Wirtschaftskrise, im September Bundestagswahl und im Mai feiert man 60 Jahre Grundgesetz. Grund genug vieles zu überdenken, auch die Demokratie in der wir leben. Und kein deutsches Medium tat dies in dieser Woche so inbrünstig wie Spiegel Online. Den Auftakt machte Franz Walter, Göttinger Professor für Politikwissenschaft, SPD-Mitglied und regelmäßiger politischer Autor für das Online-Nachrichtenmagazin. In seiner neuen Prekariatsstudie attestierte er den unteren Schichten der Gesellschaft Verbittertheit, Misstrauen gegenüber der Demokratie und allgemeine Politikverdrossenheit. Tags darauf veröffentlichte der linke Spiegel-Redakteur Gabor Steingart seinen Kommentar zu Walters Analyse und kritisiert – wenn auch äußerst respektvoll – der Professor würde „die Grammatik des gemeinen Volkes“ nicht richtig deuten. Die Verdrossenheit des Prekariats ist seiner Einschätzung nach nicht dem „Nicht-Verstehen“ der Politik geschuldet, sondern dem „Durchschauen“ der selbigen. Die Eliten, einschließlich der Medien, wären die Verursacher und hätten „den Groll des Prekariats vollauf verdient“.

Zu der intellektuellen Auseinandersetzung der Herren Walter und Steingart gesellten sich zudem die Interviews mit dem zurückgetretenen schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) und dem CSU-Bundestagsabgeordneten Peter Gauweiler. Beide schilderten und beklagten die Mängel im politischen Geschäft in den Parlamenten, Regierungen und Parteien. Marnette schildert anschaulich wie grob fahrlässig die schleswig-holsteinische Landesregierung im Fall der HSH Nordbank gehandelt hat, während Gauweiler den Schuldigen bei politischen Fehlentscheidungen v.a. im System der Listenwahl und der Feigheit der Abgeordneten sieht, nach ihrem Gewissen zu handeln.

Unser politisches System muss sich in letzter Zeit also ziemlich viel Kritik gefallen lassen und – das noch aus den eigenen Reihen. Dennoch nichts Ungewöhnliches. In wirtschaftlich schweren Zeiten ist die Regierung mindestens das Zweite was in Frage gestellt wird (das Erste ist meist das Wirtschaftssystem) und gerade jetzt wo innerhalb der Politik Krisenkünstler und Macher voll aufblühen könnten, scheitern sie an der langwierigen Konsensfindung, an Eitelkeiten von Führungspersönlichkeiten, an taktischen Machtspielchen und sicherlich auch an der durchaus vorhandenen Inkompetenz mancher Kollegen.

Dennoch: Muss man angesichts solcher Meldungen schon die Systemfrage stellen? Liest man sich die Kommentare in den verlinkten Artikeln auf Spiegel Online durch, scheint die Antwort für viele Menschen ein klares „ja!“ zu sein. Ein durchaus repräsentativer Beitrag eines Users bezüglich des Interviews mit Herrn Marnette lautet beispielsweise wie folgt:


Ich kann nur hoffen, daß es noch mehr Whistle-Blower gibt und endlich mal die Staatsanwaltschaft einschreitet damit all die korrupten, inkompetenten, selbstgefälligen und beratungsresistenten, aufgeblasenen A…..er in Politik und Wirtschaft zwangsenteignet und in den Knast gesteckt werden.

Herrn Marnette gebührt Dank dafür, daß er sich aus der Deckung wagt, raus aus dem Filz, und endlich mal anprangert und ausspricht was für mich schon längst Gewissheit war. Ich kann nur hoffen daß dem Beispiel von Herrn Marnette noch viele, viele folgen werden.

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